Razvan Popovici

 Liebe Musikfreunde,

unser Chiemgauer Musikfrühling blüht und gedeiht: Zusätzlich zu den traditionellen Auftrittsorten Klosterkirche und Club Kafka in Traunstein wird der Chiemgauer Musikfrühling zum ersten Mal auch im Kloster Seeon sowie im neuen Traunreuter Kultur- und Veranstaltungszentrum k1 gastieren. In 14 Konzerten bietet unser abwechslungsreiches Festival Ihnen vom 23. Mai bis 16. Juni 2010 über drei Wochen lang musikalische Höhepunkte. Die Weltklasseinterpreten Heinrich Schiff, Alina Pogostkina und das Ensemble Raro werden den 7. Chiemgauer Musikfrühling mitgestalten.

Die Zusammenarbeit mit dem Kloster Seeon und dem k1 in Traunreut ist eine willkommene Entwicklung, eine logische Konsequenz und ein riesiger Gewinn für den Chiemgauer Musikfrühling. Wir sind sehr glücklich, zwei so wunderbare Kultureinrichtungen für unser Festival gewonnen zu haben. Unser siebter Musikfrühling wird damit wirklich ein Festival für den ganzen Chiemgau sein! Wir möchten uns bei den Leitern beider Einrichtungen sehr für ihre Offenheit bedanken und freuen uns darüber, dass sie unsere gemeinsame Vision hinsichtlich des Chiemgauer Musikfrühlings teilen.

Neben den langjährigen bekannten Musikerfreunden des Chiemgauer Musikfrühlings wie der Pianistin Diana Ketler, den Geigern Alina Pogostkina und Alexander Sitkovetsky, den Bratschisten Christian Nas, Peter Langgartner und Razvan Popovici sowie den Cellisten Bernhard Naoki Hedenborg und David Cohen werden weitere Weltklassekünstler zu hören sein: Der österreichische Cellist Heinrich Schiff, der Schweizer Klarinettist Reto Bieri, der argentinische Bandoneonist Marcelo Nisinman, die Kontrabassisten Wini Holzenkamp und Nabil Shehata sowie der Geiger Peter Clemente. Unter der Leitung von Andrea Wittmann tritt zum ersten Mal die Chorgemeinschaft Seeon beim Chiemgauer Musikfrühling auf.

Das Festival wird am Pfingstsonntag in der Klosterkirche St. Lambert in Seeon eröffnet. Neben der Missa in honorem Ss. Cordi Jesus von Nicolaus von Leuchtenberg werden Streichtrio- und Chorstücke von Sergej Rachmaninow, Sergej Tanejew und Johann Sebastian Bach erklingen.

Es folgen vier weitere Konzerte im Kloster Seeon: Zunächst die Humoreske für Viola Solo „Alle Herrlichkeit auf Erden”, die der Salzburger Violavirtuose Peter Langgartner liest und spielt (28. Mai, Kirche St. Walburg). Am 30. Mai folgt dann die intime Tango-Matinée The Art of Tango im Festsaal Kloster Seeon. Hier wird der argentinische Bandoneonist Marcelo Nisinman nicht nur Geschichten aus den Straßen von Buenos Aires erzählen, sondern auch von der gemeinsamen Haifischjagd mit seinem Mentor, dem legendären Astor Piazzolla. Musikalisch begleitet wird er von der künstlerischen Leiterin des Chiemgauer Musikfrühlings, der Londoner Pianistin Diana Ketler, und vom deutschen Kontrabassisten Wini Holzenkamp.

Bei den Barocken Saitenklängen spielen der Geiger Peter Clemente und die Cembalistin Andrea Wittmann in der wunderbaren Abtkapelle St. Nikolaus unter anderem Georg Friedrich Händels Sonate in D-Dur für Violine und Cembalo (4. Juni). Ein Matinée-Konzert im Festsaal Kloster Seeon mit dem berühmten Cellisten Heinrich Schiff, in dem die Suite für Violoncello Solo von Johann Sebastian Bach und das beliebte Forellenquintett von Franz Schubert dargeboten werden, rundet die Auftritte im Kloster Seeon am 6. Juni schließlich ab.

Heinrich Schiff wird auch im ersten Konzert am 7. Juni in der Traunsteiner Klosterkirche im wunderschönen Trio für Klarinette, Violoncello und Klavier von Johannes Brahms zu hören sein. Diana Ketler übernimmt an diesem mit „Lachen und Weinen“ betitelten Abend den Solo-Part in Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in C-Dur. Zusätzlich wird das Publikum mit dem virtuosen Klarinettenquintett von Carl Maria von Weber unterhalten. Das zweite Konzert in der Klosterkirche am 9. Juni trägt den Titel Metamorphosen und bringt ein aufregendes Programm um das gleichnamige Stück von Richard Strauss zu Gehör: Die Suite im alten Stil und die Musica Nostalgica von Alfred Schnittke, die Sonata for Viola Four Hands von P.D.Q. Bach – das verrückteste Stück der Welt mit zwei Bratschisten und einer Viola – sowie Mozarts weltberühmte Eine kleine Nachtmusik.

Auf die ersten Auftritte in Traunstein folgen zwei Gastspiele in Traunreut: „Tangomania” (10. Juni, k1) ist die logische Weiterführung der Tango-Matinée im Kloster Seeon und setzt zugleich die jährliche Reihe der „Urbanen Experimente“ beim Chiemgauer Musikfrühling fort. Im Rahmen eines einzigartigen audiovisuellen Spektakels – in Szene gesetzt vom rumänischen VJ Andu Dumitrescu – wird Bandoneonist Marcelo Nisinman dem Publikum viele der Geheimnisse des Tangos verraten und Werke von Astor Piazzolla, Enrique Granados, Paquito d’Rivera und Antonio Soler zur Aufführung bringen. Beim Kinderkonzert „Die Musikküche“ wird Nisinman dann gemeinsam mit dem Ensemble Raro und Natalia Lomeiko dem jüngeren Publikum Unvergessliches über die Musik mitteilen (12. Juni, k1).

Der stilvolle Club Kafka ist am 13. Juni wieder der Ort, an dem die Künstler des Chiemgauer Musikfrühlings Unerhörtes zu Gehör bringen: Neben den Prayers and Dreams of Isaac the Blind für Klarinette und Streichquartett des zeitgenössischen Komponisten Osvaldo Golijov, erklingt die Ouverture über hebräische Themen von Sergej Prokofjew. Am Montag, den 14. Juni, finden wieder zwei Kinderkonzerte in der Klosterkirche statt. Die anwesenden Stars des Musikfrühlings werden den Kindern Juwelen der Kammermusik vortragen und zahlreiche musikalische Geheimnisse verraten. Das Abschlusskonzert des Chiemgauer Musikfrühlings am 16. Juni wird Robert Schumann feiern, der vor 200 Jahren geboren wurde. Seine Märchenerzählungen für Klarinette, Viola und Klavier und sein Klavierquintett werden durch das Klarinettenquintett von Max Reger ergänzt: Regers letzte Komposition, ein Werk voller Poesie und Weisheit.

Wir freuen uns darauf, Sie bei den drei musikalischsten Wochen des Frühlings begrüßen zu dürfen! 

Ihr Razvan Popovici, Intendant
Razvan Popovici


Diana Ketler

 Liebe Freunde,

Wir heißen Sie in Traunstein und erstmals auch in Traunreut und dem Kloster Seeon herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr über die Tatsache, dass wir der Magie der Klosterkirche und dem „funky Vibe“ des Club Kafka zwei fantastische neue Orte hinzufügen können. Dies ist ein Experiment; und ebenso abenteuerlustig waren wir auch bei unserem Programm. Sie werden alte und neue Gesichter erleben, Ihre liebsten Kompositionen hören und sich hoffentlich in neue verlieben. Besonders drei Werke erfordern wohl eine kurze Einführung. Die Prayers and Dreams of Isaac the Blind von Osvaldo Golijov, eines argentinischen Komponisten mit osteuropäischem Hintergrund (das Thema Argentinien spielt dieses Jahr eine große Rolle; wir haben auch zwei Tango-Konzerte!), sind ein bewegendes Werk mit gewaltiger emotionaler Wirkung. Ich erinnere mich daran, wie ich es vor einigen Jahren zum ersten Mal live gehört habe – es ließ mich im Wortsinne sprachlos zurück. Diese Komposition hat einen sehr persönlichen Hintergrund: Golijov hatte im Dachboden des Hauses seiner Großeltern einige ihrer Hochzeitsfotos entdeckt. Diese alten Bilder inspirierten ihn dazu, ein Stück über die lebenslange Reise seiner Großeltern zu schreiben – über all das Lachen und die Tränen, die Tänze und die Abschiede. Ich bin mir sicher, dass wir alle einen ganz persönlichen Zugang zu dieser Geschichte finden werden, während uns Klarinette und Streichinstrumente in eine andere Zeit zurückversetzen.

Das Klarinettenquintett ist Max Regers letzte Komposition und vielleicht auch seine lyrischste und tiefgründigste. Es ist eine komplexe, feinfühlige und vielschichtige Arbeit und ein äußerst befriedigendes Hörerlebnis. Last, but not least: Sie haben sich wahrscheinlich schon gefragt, wer P.D.Q. Bach ist? Er ist famoserweise das einundzwanzigste von Johann Sebastian Bachs zwanzig Kindern – während und nach seiner Lebenszeit völlig vergessen und in völliger Obskurität versunken. Er ist der Autor solch großartiger Werke wie Schlepptet in Es Dur, Der letzte Tango in Bayreuth, Liebeslieder Polkas und der Oper Die Entführung des Figaro. P.D.Q. verdankt seine Wiederentdeckung und Renaissance einem Mann von unglaublicher Kreativität und Ironie: Professor Peter Schickele. Wir werden Ihnen stolz P.D.Q. Bachs erst kürzlich entdecktes Werk Viola four Hands präsentieren und hoffen, dass Sie es als ebenso originelles wie ernsthaftes Werk aufnehmen werden. Ich wünsche uns allen ein wundervolles Festival!

Ihre Diana Ketler, Künstlerische Leiterin
Diana Ketler


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